Ankündigung: Gesellschaft der Individuen

Wir freuen uns euch mit Aleks und seinem Vortrag „Gesellschaft der Individuen“ den nächsten Referenten und das nächste Thema der openmind #om10 vorstellen zu können: Neoliberale sehen den Markt im Zentrum der Gesellschaft. Konservative das Staatsgebilde. Marxisten das Volk, am ehesten das proletarische. Gläubige ihren Gott.Wir Piraten? Im Grunde sehen wir den Menschen, den Bürger als Zentrum des gesellschaftlichen Geschehens. Gleichzeitig wollen wir aus lauter Individuen eine Gesellschaft machen. Wie soll das gehen?

Der Vortrag soll eher ein Haufen Fragen ansammeln als deren Antworten. Gleichzeitig aber auch Ansätze aufstellen (z.B. Max Stirners "egoistischer Anarchismus"), die gerne genüsslich aber konstruktiv zerschlagen werden dürfen. Lasst uns genau überlegen, wie wir es schaffen, Individuen dazu zu bewegen, mehr als die Summe der Einzelteile zu werden.

Aleks zu seinem Vortrag: „Es ist mein Ziel mit diesem Vortrag, dass wir uns alle Gedanken machen, welche Gesellschaft wir realistisch, pragmatisch und piratisch aufbauen wollen. Weder hab' ich die Lösung, noch werden wir sie auf om10 finden. Aber wir müssen überlegen, ob es ein Gesellschaftskonstrukt gibt, dass die Piraten von anderen Bewegungen unterscheidet, und wie es aussehen soll.“

Kommentare

Hmm fraglicher Opener

"Neoliberale sehen den Markt im Zentrum der Gesellschaft. Konservative das Staatsgebilde. Marxisten das Volk, am ehesten das proletarische. "

Marxisten sehen nicht das Volk im Zentrum der Gesellschaft, sondern die Arbeit. Marx hat dargestellt, wie die warenförmige Gesellschaft durch den spezifisch-historisch neuen Charakter der Arbeit konstitutiert wird (s. z.B. Wertkritik) und wie dabei einst persönliche Herrschaft in unpersönliche, versachlichte, abstrakte umschlägt und eben nicht aufgehoben wird.
Traditionsmarxisten haben sich dabei transhistorisch und somit positiv auf die Arbeit als das 'Wesentliche' der Gesellschaft berufen, damit auch auf die Arbeitenden und wollten sich (wie Liberale zum Adel) vom bösen nichtarbeitenden "Ausbeuter" befreien. Das sich viele Linke, auch Marxisten, aufs 'Volk' (statt z.B. auf die Klasse oder weder noch) positiv beziehen stimmt, aber das ist mMn. nicht spezifisch marxistisch. Das macht eher noch das bürgerliche:

"im Grunde sehen wir den Menschen, den Bürger als Zentrum des gesellschaftlichen Geschehens. Gleichzeitig wollen wir aus lauter Individuen eine Gesellschaft machen."

Mensch und Bürger in eins zu setzen ist schon ziemlich geschichtsvergessen, dabei bedurfte es lange vorausetzungsreiche Wege zum Bürger (z.B. Staatlichkeit). Bürger und Individuum sind auch nicht identisch, da die Bürgerrolle von allen Besonderungen absieht und nur noch /gleiche/ Rechtssubjekte kennt (d.h. dem gleichen Gesetz unabh. von konkreten Lebenslagen unterwirft) und zur privaten Seite: Wirtschaftssubjekte, deren Anerkennung über Produktivität läuft. Also Rollen, die das Individuelle 'Objektivem' unterordnen wie ein Korsett. Die Individualität der Individuen interessiert durch die Bürgerbrille jedenfalls nicht wirklich.